Ihren Besuch in der tschechischen Landeshauptstadt Prag nutzten die Kamp-Bornhofener Jusos auch, um auf den Spuren der deutschen Geschichte zu wandeln. Daher gehörte eine Stippvisite an der Deutschen Botschaft in Prag ganz klar zum Programm der dreitägigen politischen Bildungsfahrt der jungen SPDler.

Einen tollen Ausblick hatten die Jusos von der Prager Burg aus über die gesamte Stadt.
Die Deutsche Botschaft Prag, als höchste diplomatische Vertretung Deutschlands in der Tschechischen Republik, geriet ab August 1989 in den Fokus der Medien, als DD-Bürger dort Zuflucht suchten. In den folgenden Wochen besetzten Tausende das Gelände, worauf die DDR-Behörden einlenkten und ab 30. September insgesamt 17.000 ihrer Bürger die Ausreise in die Bundesrepublik erlaubten. Am 3. November erlaubten die ČSSR-Behörden den DDR-Bürgern die unreglementierte Ausreise in den Westen und hoben somit ihren Teil des Eisernen Vorhangs, was heute in der Rückbetrachtung als eine der wichtigsten Vorstufen zum Fall der Berliner Mauer gilt. Botschafter sei damals Hermann Huber gewesen, erläuterte die deutschsprachige Reiseleitung beim Besuch der Jusos an der Botschaft. "Anfangs lebten dort etwa 120 Flüchtlinge, dann kamen täglich 20 bis 50 weitere hinzu", so die Erklärungen der Reiseleitung weiter. Der Ansturm auf das Botschaftsgelände steigerte sich stetig, so dass Zelte und sanitäre Anlagen aufgestellt und sogar ein Schulbetrieb für die Kinder eingerichtet worden sei, erfuhren die Teilnehmer der Tour weiter. "Verlassene DDR-Marken-Fahrzeuge haben nach dem historischen Abend des 30. September 1989 das Bild der Umgebung geprägt", musste die Reiseleiterin schmunzeln.
Der Satz des damaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher um 18:58 Uhr vom Balkon des Palais ist noch heute weltbekannt: „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise (Tausendfacher Aufschrei und Jubel) … in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.“ An der historischen Stätte erinnern heute noch eine Gedenktafel auf dem Balkongeländer sowie eine Skulptur im Garten der Botschaft, die einen auf Beinen davonlaufenden Trabant darstellt, an die bewegenden Ereignisse, die auch die Jusos Kamp-Bornhofen jetzt wieder nachdenklich machten. Der Vorsitzende Mathias Kutzner betonte am Rande des Besuchs: "Viele Deutsche aus der DDR, suchten im Sommer und Herbst 1989 über die Botschaft Prag den Weg in die Freiheit und fanden ihn". Die Stippvisite sei daher Geschichte zum Anfassen. Der stellvertretende Vorsitzende Peter Runkel und die beiden SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Andreas Kahl und Mike Weiland befanden, es habe sich sehr gelohnt, die Botschaft zu besuchen. Die Begegnung und das Bewusstmachen der deutschen Geschichte an solch einer exponierten Stelle seien von großer Bedeutung und sehr beeindruckend.

Sehr beeindruckend war für die Jusos Kamp-Bornhofen ein Besuch an der Deutschen Botschaft in Prag.